Das Glück des kleinen Mannes



Endlich ist es warm, endlich könnte man die Fenster weit öffnen. Aber da rücken sie auch schon an: Die Rasenmäher.
Vor unserem Haus ist nun "endlich" die Zeit des Rasentraktors angebrochen. Das bedeutet, sobald das erste Gänseblümchen wagt seinen Kopf rauszustrecken, kommt ein dicker Mann (irgendwie sind sie immer dick) auf einem Traktor, der unter seinem Hintern fast verschwindet und schneidet das Gänseblümchen weg. Ist er damit fertig, wirft er seine unendlich nervige Benzinmotorsense an, um die Ränder zu bearbeiten. Übrig bleibt das, was der Fachmann "Grünfläche" nennt.

Ich hasse Rasenmäher und ich hasse sie aus tiefstem Herzen. Manchmal stelle ich mir vor, es muss in unserem Viertel einen Plan geben, wo aufgeschrieben steht: 9-12 Uhr Haus A, 12-14 Uhr Haus B, 14-16 Uhr Haus C, 16-18 Uhr Haus D. So ist für eine Rund-um-die-Uhr-Beschallung gesorgt. Vielleicht mögen Männer ja diesen "Sound" und wollen ihn den ganzen Tag über genießen. Deshalb gibt es nicht einmal in der Woche einen Termin, an dem alle ihren Rasen mähen, sondern man tut es nacheinander, damit man möglichst oft und lange in den Genuss kommt. Und  natürlich hat es auch mit Freiheit zu tun. Keiner hat mir zu sagen wann, wie lange und wie laut ich meinen Rasen zu mähen habe. "Freies Mähen für freie Bürger!"

Warum werden diese Dinger eigentlich immer lauter und größer? Warum gibt es, bei all der heute zur Verfügung stehenden Technik, immer noch diese Stinker mit Benzinantrieb? Die elektrischen sind doch eindeutig leiser und sauberer. Natürlich sind die für einen gestandenen Mann total uncool und wer möchte schon immer aufs Kabel achten müssen?
Habt ihr schon mal eine Frau auf so einem bescheuerten Rasentraktor sitzen sehen? Nein? Ich auch nicht. Ich glaube, es wäre uns einfach zu peinlich.

In meinen Alpträmen sehe ich Rasenmäher, wie sie die Weltherrschaft übernehmen. Angeführt vom Rasentraktor XXXL Deluxe. Alles was grün war, ist längst weggeschnitten. Sie haben nichts mehr zu tun. Jetzt sind wir dran, ihre Hersteller und Nutzer dran. Schneiden, hechseln, ausreißen.
Und dann taucht der Sensenmann auf, mit seiner neuesten, von Bosch gesponserten, Benzinmotorsense und macht allem ein Ende.

In meinen schönsten Träumen sehe ich das neue VHS-Programm. Mein Lieblingskurs heißt: 
"Heu machen vor der Haustür - Der Umgang mit Sense und Sichel".
Ich würde ihn sofort buchen. Als Folgekurs buche ich dann gleich hinterher:
"Laubfegen - Wie bastle ich mir einen handbetriebenen Laubbesen".

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