Tafelst du noch oder bettelst du schon?


Noch nie hat man in diesem Land so viel über Armut gehört, wie in den letzten Tagen. Oft verbunden mit Hartz IV und den "Tafeln". Die Tafeln gibt es seit 25 Jahren und erst jetzt werden sie zu einem Thema, das es in die Leitmedien schafft. Das sagt einiges über den Zustand unseres Landes, aber mir geht es um etwas anderes.
Mir geht es um die Diskussion rund um dieses Thema: Die einen sagen Hartz IV würde reichen,  die anderen sagen, von 2,70 € kann man kein Kind ernähren. Ich finde diese Diskussion an sich ist falsch. Natürlich kann man ein Kind mit diesem Betrag satt bekommen, aber wie? Leg einem Kind ein ganzes Brot hin, kostet 2,50 €. Es knabbert den ganzen Tag daran. Da bleibt sogar noch was für den nächsten Tag übrig und noch ist Wasser kostenlos. Also, alles Paletti! Nein, hungern muss niemand!

Aber was ist das für ein Argument? Ist eine anständige Ernährung nur für die Besserverdiener vorgesehen? Ist arm nur, wer gar nichts zu essen hat?
Natürlich geht es uns, verglichen mit den hungernden Kindern in Afrika, den Flüchtlingen überall auf der Welt, den Arbeitslosen in südlichen Ländern, gut. Aber was heißt das denn?

Heißt das, weil es uns besser geht als denen, haben wir gefälligst die Klappe zu halten und dankbar zu nehmen, was vom Tisch der reichen 10% abfällt?
Heißt es, wir sollen zuschauen wie sich die Abgeordneten, zur Belohnung für die 35 Milliarden Euro Haushaltsüberschuss, die Diäten erhöhen? Selbst sollen wir mit demütig gesenktem Kopf zur Tafel gehen und den Omas, bitte schön, nicht auch noch das bisschen Essen wegnehmen? Heißt das, wir sollen froh sein, dass wir noch nicht so tief gesunken sind wie die Obdachlosen in der Stadt, die sind schließlich selber Schuld an ihrer Situation?

Heißt das, wir sollen zuschauen wie die Mitglieder der Regierung, über die „Werte des christlichen Abendlandes“ schwadronieren, während ihnen die Lehren gerade dieser Geschichte am A... vorbei gehen? Hat überhaupt noch einer der Typen, die sich unsere "gewählten Vertreter" nennen, irgendeine Ahnung, was Nächstenliebe bedeutet, was Jesus uns sagen wollte? Oder was teilen heißt? Ist es dasselbe Christentum, das die CDU/CSU in ihrem Namen trägt? Was für sie ganz offensichtlich nur bedeutet, auf den eigenen Pfründen zu sitzen und nichts herzugeben? 
In allen großen Weltreligionen ist Barmherzigkeit eine wichtige Säule des Glaubens. Wo bleibt die unsere?

Jeden Tag sehe ich was Politik in der Welt anrichtet. Ich sehe das Elend, an dem unser Land maßgeblich beteiligt ist. Und ich sehe diese unbeteiligten, gelangweilten, kalten Gesichter „unserer“ Regierung. Das nenne ich geistige Armut und möchte vor Ohnmacht gleichzeitig schreien und heulen. Berührt die denn gar nichts mehr?

Ich glaube, die Mächtigen in diesem Land, haben viel Vertrauen. Vertrauen, dass wir so dumm sein werden ihnen zu glauben. Dass wir weiter dem Geld hinterher hecheln, uns lieber gegenseitig an die Gurgel gehen, als unsere Wut in die richtige Richtung zu lenken, nämlich gegen die „Geldsäcke“ und ihre Verbündeten.
Die Geschichte zeigt, so etwas kann nicht ewig so weitergehen. Irgendwann wehren sich die Menschen. Ich hoffe, ich erlebe das noch.

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