Frauen-Kampf-Kalender 2018: Agnodiki

In dieser Woche stelle ich an 5 Tagen Frauen in meinem "Kampf-Kalender" vor, die wir nicht vergessen sollten:

1. Fensterchen:

 Agnodiki

Es ist nicht viel auf deutsch über sie zu finden. Ihr Name war Agnodiki und sie war Ärztin. Heute würden wir sie Frauenärztin und Hebamme nennen. Damals bezeichnete man diesen Berufsstand als "Hebammenarzt". Agnodiki praktizierte in Männerkleidern und das aus gutem Grund. Sie lebte nämlich im Athen des 3. Jarhunderts v. Chr. 
Im Griechenland dieser Zeit war es Frauen und Sklaven verboten zu studieren und erst recht als Ärztin zu arbeiten. 
Viele Frauen, die sich aus Schamhaftigkeit den Ärzten nicht anvertrauen wollten, starben bei der Geburt, so auch ihre Mutter. Agnodiki beschloss trotz des Verbots Ärztin zu werden und ging nach Alexandria. Dort studierte sie mit der Unterstützung einer hochrangigen Dame, verkleidet als Mann, bei  Herophilos Medizin. Nach Athen zurückgekehrt, praktizierte sie für einige Jahre sehr erfolgreich. "Da bald ihr Ruf sich verbreitete, so klagten die Ärzte, eifersüchtig auf diese Nebenbuhlerin, deren Geschlecht sie nicht kannten, sie als Verführerin der Frauen an ..." ( Hyginus Mythographus) Sie war genötigt sich vor dem Areopag, der höchsten gerichtlichen Instanz Athens, zu verantworten. Dort musste sie, um einer Verurteilung zu entgehen, ihr wahres Geschlecht offenbaren. Nun war sie nicht mehr wegen Verführung angeklagt,
sondern weil sie gegen das Verbot gehandelt hatte, Patientinnen zu behandeln. Wäre es zu einer Verurteilung gekommen, hätte ihr die Todesstrafe gedroht. 
Niemand rechnete mit dem was nun passierte.
Die Athener Frauen demonstrierten vor dem Areopag und drohten ihre Männer zu verlassen. Vor allem hochgestellte Damen der Athener Gesellschaft traten für die beliebte Ärztin ein und so entging sie der Todesstrafe. Aber das reichte den Athenerinnen noch nicht. Durch ihre ausdauernde Intervention erreichten sie die Änderung des Gesetzes. Im folgenden durften auch Frauen Medizin studieren und als Ärztin praktizieren.  Frauen durften nur Frauen behandeln, aber was für ein Durchbruch!
Und was tat Agnodiki? Sie hob vor dem Gericht und dem versammelten Publikum ihr Kleid in die Höhe und präsentierte stolz ihre ganze Weiblichkeit.



Wer mehr über diese mutige Frau wissen möchte, könnte in dem Buch von Dagmar Bulmann fündig werden: "Agnodike und das Museio von Alexandria". In der Beschreibung ist zu lesen, dass die Autorin sich weitestgehend an die Überlieferungen gehalten hätte. Ich selbst kenne das Buch nicht, bin deshalb dankbar für eure Rückmeldung.






Kommentare