Mein guter Tag!

"Ελληνικο καφε", Radierung 2013
7:00 Habe komisch geträumt.
Meine Frau bringt mir den ersten Kaffee ans Bett. Wir wollen miteinander reden, dabei aber nicht zu schwierige Themen anfangen. Der Streit wäre vorprogrammiert, sie ist mir oft nicht radikal genug :). Schwierig! Dabei lieben wir diese halbe Stunde morgens.

7:30 sitze ich am Schreibtisch und kontrolliere die verschiedenen Medien, um tagsüber nicht mehr draufzuschauen, es kostet mich sonst zuviel Zeit. Lese ein bisschen in Facebook, überblättere das meiste, weil uninteressant. Suche nach Kontakten und Gruppen, um meine Reichweite zu erhöhen. Es ist unsäglich, was da manchmal in Facebook und google+ zu sehen ist.
Finde eine Gruppe, die sich Frauenpower nennt. Es kann nicht schaden mal rein zu schauen, könnte interessant sein. Dann: Bärchen, Herzchen, Kätzchen, Sonnenauf- und -untergänge, ..... Denke: Haben wir Frauen wirklich nichts anderes zu tun als uns Bärchen zu schicken?

8:30 fange ich an für den Blog zu schreiben, schließlich habe ich mir vorgenommen alle zwei Tage einen Text abzuliefern. Momentan sind schon einige vorbereitet, sodass ich sie nur fertig schreiben muss. In meinem Kopf sprudeln so viele Ideen für Beiträge und Namen von Künstlerinnen, über die ich gerne schreiben möchte, dass ich kaum hinterher komme. Grad ist Yoko Ono, die letztes Wochenende 85 Jahre alt geworden ist, sehr präsent.

9:30 Eigentlich ist nun Pausenzeit, aber ich habe Lust noch ein bisschen weiterzumachen. Also, Fotos von Yoko Ono suchen. Kostenlos gibt es nur uninteressante. Vielleicht zeichne ich selbst eins, vielleicht einen Schattenriss? Mal sehen.
Jetzt gehe ich wirklich in die Pause. Kaffee, Frühstück, duschen.

11:00 Ich brauche dringend einen Flyer und eine Visitenkarte und eigentlich auch ein Logo. Da muss ich ernsthaft ran. Schaue noch schnell, wann ich meinen Blog-Text am besten veröffentlichen sollte.
Setze mich an mein Logo und überlege und überlege und überlege... Dann plötztlich ist es da: In meinem Leben und in meiner Arbeit passiert alles irgendwie wellenartig. Auf und ab, Berg und Tal, manchmal werde ich förmlich überrollt. Auf meiner bisherigen Visitenkarte gibt es einen wellenartigen Streifen mit Fischen. Welle ist schon mal gut, das passt. Aber die Fische werde ich weglassen. Das Meer spielt im Blog, auf der Home-Page und in meinem Shop eine wichtige Rolle. Ich entscheide mich für eine runde Form. Ich finde, das passt besser zu mir als etwas Eckiges. Die Welle soll den klassischen Malereien auf antiken, griechischen Gegenständen ähneln. Dazu Blau als Farbe. Ich mache verschiedene Entwürfe, mal mehr, mal weniger verspielt. Ich merke, das Verspielte liegt mir gar nicht, ich habe es lieber einfach und klar. Ich entscheide mich für einen dunkelblauen Kreis mit einer hellblauen, stilisierten Welle. Beim Betrachten wird mir sofort klar, das ist es! Jetzt muss es erst mal ruhen. Ich schau morgen nochmal drauf. Außerdem muss ich mich für die richtige Schrift entscheiden.

13:00 Ich mache eine ausgiebige Pause. Etwas essen, ein bisschen lesen und in die Sonne gehen. Wenn alles gut geht, kann ich sogar meinen geliebten Mittagschlaf machen.

15:00 Zurück am Schreibtisch. Mein Online-Shop läuft schleppend bis gar nicht. Hin und wieder verkaufe ich mal ein T-Shirt, aber bleiben kann das so nicht.
Ich muss mir Informationen holen: Wie bringe ich den Shop nach vorn? Wie finden mich Leute, die nicht nur irgendwelche Sprüche auf billigen T-Shirts lesen wollen?
Beim Wort SEO, also Suchmaschinenoptimierung, fällt mein Gehirn schlagartig in den Schlafmodus. Ich kann das nur häppchenweise vertragen. Wahrscheinlich muss ich es doch abgeben, "outsourcen", wie man heute sagt.

16:30 Endlich kann ich mich mit dem beschäftigen, wegen dem ich den ganzen Trubel rundum mache: Entwerfen, zeichnen, malen. 3 Stunden habe ich dafür eingeplant. Mir zerrinnt die Zeit zwischen den Fingern. Ich hasse das. Dann kommt noch ein Anruf und ich reagiere sehr unfreundlich, was mir sofort leid tut. Vielleicht verlege ich den künstlerischen Teil in die Nacht, dann schlafen alle.
Es ist schon frustrierend. Ungefähr 60-80% meiner Arbeitszeit geht für Marketing drauf. In solchen Momenten wird mir klar, warum Künstler freiwillig 50% ihres Einkommens an Vermittler, wie Galerien oder Manager, zahlen.

19:00 Langsam geht mir die Puste aus. Ich hab Hunger, werde müde und brauch eine Pause.

20:00 Ich schau nochmal nach meinen T-Shirts und Blog-Posts. Wieder kein T-Shirt verkauft. Den Blog lesen jetzt, nach einem Monat, schon bedeutend mehr Menschen als ich am Anfang zu hoffen wagte. Nur Geld bringt mir das auch nicht. Naja, noch nicht.

20:30 Bin leider zu müde noch ans Malen zu gehen. So müde passieren die blödesten Fehler. Es wäre nicht das erste Mal, dass ich falsch speichere und die Arbeit von mehreren Tagen futsch ist.
Also noch ein bisschen fernsehen und dann ins Bett. Morgen um sieben geht´s weiter.
Ich mache noch einen Plan für den nächsten Tag: SEO :(
Na dann, gute Nacht Marie!


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