Was, zum Teufel, hat eine Mandoline mit Gemüse zu tun?

Woran denkt man wenn man "Mandoline" hört?


An "Mandolinen und Mondschein", den alten Hit von Peter Alexander?
An "Corellis Mandoline", den Liebesfilm mit Penelope Cruz und Nicolas Cage?
Oder an das Mandolinen-Orchester der Schule des Nachbarortes?
Irgendwie hat das Wort Mandoline einen weichen melodiösen Klang, ein bisschen romantisch.

Ich denke beim Wort Mandoline an die Küche.

Die erste Mandoline sah ich bei meiner Oma, ein altes Erbstück, ein bisschen angerostet. Aber was konnte dieses Instrument für Scheiben schneiden! Hauchdünn, jedes Scheibchen akurat und kein
bisschen zerfranst an den Rändern. Die Messer waren unglaublich scharf und man musste höllisch aufpassen, um alle Fingerkuppen zu behalten. Ich weiß nicht wohin in meiner umfangreichen Familie dieses Instrument verschwunden ist, aber seitdem träume ich immer wieder von einer Mandoline.

Auch heute existiert neben der musikalischen Mandoline auch noch jenes Instrument, das für die Gemüssezubereitung zuständig ist. Es gibt sie in vielen Varianten: Aus Plastik mit einem oder mehreren Messern, verstellbar oder nicht, meist aus China, für 20 €. Manchmal ein bisschen hochwertiger anzuschauen und teurer, aber sonst nach dem gleichen Prinzip für 80 €. Ihre Namen klingen genauso profan und unpoetisch wie sie aussehen: Gemüseschneider oder Gemüsehobel.

Einige dieser teilweise ziemlich teuren Dinger nennen sich sogar Mandoline, was wie ich finde, eine Anmaßung ist. Bei allen gleich ist die schlechte Qualität der Messer. Das Gemüse wird nicht fein genug geschnitten, die Ränder fransen aus, der Halter für das Gemüse gleitet nicht richtig und verhakt und die labberige Konstruktion gibt bei Druck nach und verhindert schon deshalb, dass die Scheiben gleichmäßig werden. Insgesamt eine sehr unbefriedigende, frustrierende Angelegenheit.

Und dann gibt es das Original. Schön, präzise und teuer. 
Erfunden hat die Mandoline 1950 der Küchengeräteentwickler Jean Bron aus Thonon-les-Bains, in der Nähe des Genfer Sees. Die bis dahin üblichen Holzgeräte verzogen sich häufig und konnten nicht mehr präzise genug arbeiten. Jener Jean Bron entwickelte eine Mandoline aus Edelstahl. Sie steht in einem ca. 45 Grad-Winkel auf dem Tisch.
Manche davon nehmen den Ruf für sich in Anspruch "Generationen von Tischen" zerkratzt zu haben. Inzwischen sind sie mit Gummifüßchen bestückt.
Die Dicke der Scheiben kann man genau bis in den 1mm-Bereich einstellen, die Messer sind sehr scharf und bleiben es, auch bei häufiger Benutzung. Neue Messer kann man nachbestellen und muss nicht das ganze Gerät wegwerfen. Der Gemüsehalter gleitet weich und gleichmäßig. Weil die Messer so scharf sind, wird das Arbeiten nicht zur übermäßigen Kraftanstrengung, sondern zum Genuss. Nach Gebrauch abspülen, trocknen lassen, aufhängen.

Denke ich an die Mandoline, denke ich an hauchdünn geschnittene rohe Artischockenherzen mit Olivenöl und Ziegenkäse, an Kartoffelgratin mit Kartoffelscheiben unter 1 mm Dicke, an frittierte Zucchini wie in Griechenland, an gleichmäßige Stifte von Gemüsen aller Art, aber vor allem an Fenchelsalat, der auf der Zunge schmilzt, weil er, so dünn geschnitten, nicht mehr hart ist.

Das wird wohl noch eine Weile eine Utopie bleiben. Zu teuer!
Naja, man wird ja wohl noch träumen dürfen.

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