Bilder putzen oder wie ich meditiere


Heute will ich mal zeigen, wie ich ein Motiv für meine T-Shirt-Kollektion entwickle.

In Griechenland, wo ich jedes Jahr den Sommer verbringe, inspirieren mich immer unzählige Dinge. Ich muss also eine Vorauswahl treffen. Vor zwei Jahren stolperte ich über verschiedene Darstellungen von Tintenfischen, die seit der Antike in Griechenland allgegenwärtig sind. Auf Gebrauchsgegenständen genauso wie auf  Kunstwerken. Ich fing also an zu sammeln, machte kleine gekritzelte Skizzen, wann immer ich eine Tintenfisch-Darstellung sah.

Die Anregung für das Bild oben stammt von irgendeinem antiken Gebrauchsgegenstand. Mir gefielen vor allem die gekringelten Tentakeln und die sehr abstrakte Kopfform. 
Natürlich will ich so ein Bild nicht einfach abmalen, es soll die Grundlage, die Idee sein. Ich probierte verschiedenes aus und entschied mich in diesem Fall für eine Form, in der die Linie die Hauptrolle spielt. All das mache ich noch mit Stift und Papier. Ich benutze ganz einfache Fine-Liner aus dem Discounter. Sie sind für mich am besten handhabbar und zudem noch ganz billig.

Bin ich mit meinen Kritzeleien zufrieden, scanne ich die Zeichnung ein, um Sie am PC weiterzubearbeiten.
Zuerst muss ich den Hintergrund transparent machen, denn sonst würde man auf dem T-Shirt immer ein weißes Rechteck oder Quadrat sehen. Manchmal ist das erwünscht, in den meisten Fällen aber nicht. Jetzt muss ich mich für einen Weg entscheiden, denn ich will ja die weißen Anteile in der Zeichnung selbst erhalten. In diesem Fall entschied ich mich dafür das Weiß rund um die Figur zu entfernen. Bei meinem Kraken benutzte ich den "Radierer".
Danach kommt die Feinarbeit. Es gilt Fehler in der Zeichnung zu entfernen, die auf der Papier-Zeichnung in Ordnung sind, weil sie den Prozess sichtbar machen, aber auf einem T-Shirt nicht schön sind. Jeder kleine Fleck, jeder Pixelrest muss weg, denn man würde ihn auf einem T-Shirt ja sehen, weil er mitgedruckt wird.

Ausschnitt mit Pixelresten

Dieses "Putzen" des Hintergrundes ist echte Fleißarbeit. Gerade bei Bildern mit vielen Details dauert das einige Stunden. Für mich hat das etwas meditatives, mein Gehirn kann komplett abschalten und ich genieße das fließen der Gedanken. Es ist die kreativste Zeit. Mir fallen Dinge, Möglichkeiten, Bilder ein, an die ich vorher noch nie dachte. Manche Menschen putzen gerne ihre Wohnung und empfinden das als meditativ und ich putze gerne meine Bilder am PC. Sicher gibt es Methoden die schneller gehen, aber will ich das überhaupt? Ich genieße diese "Abschaltzeit", in der ich mich um nichts anderes kümmern muss als den nächsten "Schmutzfleck" aufzuspüren. Über diese Phasen der "Zeitverschwendung" findet ihr auch in meinem ersten Text ein paar Gedanken Der erste Text oder was ist eigentlich mein Thema?

Um diese Pixelreste überhaupt zu finden braucht es mehrere Durchgänge. Meist sind sie durch ausgelaufene Farbe, Schmutz auf dem Papier usw. verursacht. Der Scanner unterscheidet ja nicht zwischen gewollten und ungewollten Flecken. Er scannt alles. Am PC hinterlege das Bild, auf einer eigenen Ebene, erst mit einer hellen Farbe, dann im zweiten Durchgang mit einer dunklen Farbe.  Dadurch wird auch der kleinste Pixelrest noch sichtbar und kann entfernt werden. Später lösche ich diese Ebenen wieder, sie haben ihren Dienst getan. Nun ist der Hintergrund transparent.
Jetzt muss der Kontrast oder die Helligkeit für den Druckprozess noch angepasst werden, dann ist das Bild fertig und kann in meinen Shop hochgeladen werden.


 
Auf diese Weise entstehen die meisten meiner Bilder. Ich habe immer eine Originalzeichnung die ich am PC weiterentwickle.
Ein paar wenige meiner Bilder entstanden komplett am PC. Ich bin damit aber noch nicht so zufrieden. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ihnen die Lebendigkeit fehlt, sie wirken zu perfekt, zu glatt.
Aber das ist ein Thema für einen anderen Text.

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